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LACRIMOSA
22.05.2005 - Köln, E-Werk

Tilo WolffBereits 4 Jahre ist es her, daß Lacrimosa zuletzt in Deutschland auf Tournee war ("Fassade"-Tour), denn zum 2003er Album "Echos" gab es aus verschiedenen Gründen keine Tournee, sondern "nur" einige Auftritte im Ausland und auf dem M'era Luna Festival im letzten Jahr. Anfang Mai diesen Jahres erschien passend zum 15. Jubiläum der Band das neue Album "Lichtgestalt", und kurz darauf gingen Tilo Wolff & Anne Nurmi auf eine ausgedehnte Tournee, neben einem Dutzend Konzerte in Deutschland werden u.a. Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Rußland, Polen, Österreich und die Schweiz besucht. Bei einer Deutschland-Tournee darf natürlich das Kölner E-Werk nicht fehlen, angenehme sommerliche Temperaturen draußen und erstaunlicherweise drinnen ebenfalls angenehme Luft & Temperatur, und noch erstaunlicher für ein Konzert, es wurde pünktlich angefangen.

In den letzten Jahren konnte ich mit den Vorbands von Lacrimosa wenig bis gar nichts anfangen, doch mit Gothminister wurde diesmal wirklich eine gute Wahl getroffen. Musikalisch zwar wenig abwechslungsreich, doch eingängige harte Rhythmen sorgten für gute Stimmung beim Publikum. Der Frontman der norwegischen Band war eindeutig ein Freund von Klischees (es leben die Totenköpfe und wenig vorteilhaften Frisuren) und der großen Gesten und wirkte auf seinem Podest teilweise wie der King of the World, äh, of Goth, aber die Band absolvierte ihre 30 Minuten mit viel Einsatz und entließ ein gut gelauntes Publikum in die Umbaupause – in der übrigens "Music for the lost" von Tilos Nebenprojekt Snakeskin aus der Konserve kam, passender konnte man keine Stimmung erzeugen. Traditionell begann das Konzert mit dem "Lacrimosa Theme", als einzige (aber wirkungsvolle) Deko hing im Hintergrund ein riesiges, dreidimensionales Lacrimosa Logo. Es folgten zwei phantastische Stunden, Tilo war von Anfang extrem gut gelaunt und ging von Anfang an in die Vollen, das Publikum hatte er von der ersten Sekunde an. Elegant gekleidet und mit Pferdeschwanz wirkte er insgesamt gereifter als bei früheren Konzerten, seine mittlerweile bekannten Gesten wirkten im Gegensatz zu früher nicht mehr affektiert, im Gegensatz zu Annes "Tanzeinlagen", die doch etwas sehr bemüht wirkten.

Anne NurmiIch habe noch nie ein Konzert besucht, wo die Musikauswahl so stimmig ineinander überging und sich ergänzte, die Songs des neuen (Best Of) Albums fügten sich mühelos in das Gesamtkonzept von Lacrimosa ein. Es war ein abwechslungsreiches Programm, neben den Live-Krachern "Letzte Ausfahrt: Leben", "Lichtgestalt", "Alles Lüge" und "Malina" gab es auch herrlich "ruhige" Momente – "Tränen der Sehnsucht" (mit einem atmosphärischen Sternenhimmel im Hintergrund) und "The Party is over", bei der Tilo (wie schon bei der letzten Tournee) zur Trompete (oder zum Flügelhorn?) griff, für mich eindeutig der schönste und ergreifenste Moment dieses wirklichen genialen Auftritts. Und als bei "Halt mich" das Publikum den Song mitsang, wurde das fast schon diebische Grinsen von Tilo immer breiter, am Ende wurde ihm sogar ein großer Teddy auf die Bühne geworfen, und da war selbst er für einen Moment sprachlos.

Sicherlich könnte man noch einwerfen, daß es gesanglich teilweise doch arg daneben war (besonders bei Anne), doch wer Lacrimosa kennt und liebt, der weiß, das es nie um gesangliche Perfektion ging – sondern um die Intensität des Gefühls, das dahinter steht – und ein mitreißender Abend war es auf alle Fälle.


Noch eine kurze Anmerkung in eigener Sache; für mich war es vor allem deshalb ein bewegender Abend, weil er mir den Zugang zu einigen Songs des neuen Albums eröffnet hat, und das war etwas, mit dem ich eigentlich nicht mehr gerechnet habe – Lacrimosa schafft es halt immer wieder, einen zu überraschen…

JACK für GOTHICWORLD
Photos: www.angst-im-wald.com


Setlist
Intro (Lacrimosa Theme)
Kelch der Liebe
Schakal
Alles Lüge
The turning point
Letzte Ausfahrt: Leben
Tränen der Sehnsucht
Vermächtnis der Sonne
Halt mich
Apart
Lichtgestalt
Malina
Not every pain hurts
The party is over
Stolzes Herz

Zugabe I
Der Morgen Danach
Ich bin der brennende Komet
Ich verlasse heut dein Herz

Zugabe II
Alleine zu zweit
Copycat

Review: "Lichtgestalt"
Interview mit Tilo Wolff

www.lacrimosa.de