special:

PINK TURNS BLUE / GOLDEN APES
23.04.05 - Berlin, K17

Pink Turns BlueSpätestens mit ihrer öffentlich zelebrierten, endgültigen Wiedervereinigung auf dem letztjährigen WGT haben PINK TURNS BLUE die Höhen der alten Verehrung durch ihre Fans wieder erreicht. Am Samstag, den 23 April, haben sie sich in die Hauptstadt gewagt, um ihr neues Werk "Phönix" vorzustellen und alte Erinnerungen wachzurufen. Mit den GOLDEN APES aus Berlin haben sie sich eine Vorband erwählt, die den Zusatz "Vor" nur aus chronologischer Sicht verdient und - abgesehen vom Kultstatus - PINK TURNS BLUE durchaus das Wasser reichen konnte.

Die neue Halle des K17 als Austragungsort war gut gewählt, die Akustik stimmig, trotz angenehmer Fülle keine Platzangst und vor allem eine vernünftige Bühne. Wie gute Ehebetten muss eine Bühne so groß sein, dass man sich aus dem Weg gehen kann. Diese Voraussetzung wurde erfüllt, für Musiker und Publikum weitaus angenehmer. Richtiges Konzertfeeling statt "Clubatmosphäre"!


Golden ApesPünktlich und vor mehrheitlich älterem Publikum begannen die GOLDEN APES, die Bühne in kaltes Rot-, Blau-, und Grünlicht getaucht. Vom ersten Ton an war die Intensität dieser Band zu spüren. Das liegt jedoch weniger an den bei Nick Cave abgeguckten Gesten des Sängers Peer Lebrecht, denn vielmehr an dem Zusammenspiel und der herrlich bedrückenden Klangfront aus Gesang und Instrumenten. Hier stimmte einfach alles, die Professionalität der CD konnte die Band problemlos auf den Auftritt übertragen. Kollege Sabottka hatte den APES in seiner Review zur aktuellen CD "Structures" ja bereits den Perlenstatus verliehen und den haben sie sich an diesem Abend erneut verdient. Bereits beim zweiten Titel "My Creation" (2004), der dem Opener "The last of the Phantoms" (2003) folgte, hat es den Rezensenten beinah von den Beinen geholt, so mitreißend, ausgefeilt und melancholisch die Darbietung. Die Band zeigte trotz der Kürze des "Vorprogramms" einen guten Querschnitt ihres Schaffens. "Valentine Decay" (2001) weitet das Herz zu einem saftigen Steak - grandios, großartig. Der Nebel bei "Nova" (2001) passte furios zur Stimmung, die sich des Saales bemächtigte. Mit "Ewigheim" (2000) war man chronologisch am weitesten zurück, es folgten "At Least" und "Remedy" vom aktuellen Album. Leider ging das Keyboard, gespielt von Sven Wolff (Dust of Basement) etwas unter, aber vielleicht ließ es die musikalische Mischung zwischen klassischem Goth-Rock und wavigem Klanggerüst noch um einiges Handgemachter klingen. Zuweilen fühlte man sich wirklich an ein musikalisches Live-Puzzle aus Joy Division, The Cure und den Sisters erinnert - OHNE, dass es nachgemacht klang. Die Kompositionen sind allesamt intelligente Konstrukte, die den Instrumenten Raum zur Entfaltung geben und so richtig magisch wirken. Leider war nach "Snow" (2004) Ende im Gelände, aber bis dahin war es bereits ein großartiger Konzertabend.

Pink Turns BlueNach einer erträglichen Umbaupause zogen einen die ersten Klänge von PINK TURNS BLUE von der Theke in den Saal. Da standen sie, die musikalischen Abbilder der vergangenen Jugend und es war wie damals, 1991, in einem Berliner Club, den es heute gar nicht mehr gibt. Und ich schicke es vorweg, um mich in der folgenden Lobeshymne nicht unterbrechen zu müssen: "Michelle" war für den Allerwertesten. Never change a winning team, so heißt es richtigerweise, denn die aufgemöbelte Variante ihrer Quasi-Erkennungsmelodie geht völlig in die Hose. Aber sonst: Tränen in den Augen.

Einer der geilsten Titel auf ihrem aktuellen "Phoenix"-Album ist sicher "Feel my soul" - mit diesem das Konzert zu eröffnen bedeutete, die Latte extrem hoch zu hängen. Es zeigt aber auch das Vertrauen von PTB in die eigne Kraft und das eigne Werk. Mic Jogwers Stimme ist nach wie vor einzigartiges, kraftvolles Aushängeschild. Dieser Titel ist ein einziger Hammer und schafft eine sofortige, haltbare Verbindung zwischen den "guten, alten" Tagen und heute. Der Lohn des Publikums: Applaus, der bei den Klassikern nicht stärker hätte sein können. Für die ersten vier Titel beschränkten sich PTB auf die Gegenwart, mit dabei "Good Times", ein weiterer Edelstein aus der "Phoenix"-CD.

Als fünfter Titel dann der angesprochene Ausfall - Schwamm drüber, denn mit "Moon" machten sie die Scharte schnell wieder weg. Manchem fehlte eine zweite Gitarre an Bord, aber die Ergänzung um Brigid Anderson an den Tasten machte sich bezahlt - optisch und klanglich. Jogwers Stimme füllte den Raum und es war die pure Hingabe. Es folgten wieder zwei Titel aus jüngster Zeit - trotzdem wirkte alles aus einem Guss. Eines der - aus meiner Sicht - schönsten Stücke ist "Can Love survive" - gerade die Bassläufe machen diesen Titel zu einem Erlebnis. Leider "wummerten" sie live nicht so schön wie auf der CD, aber elektrisierend war es allemal.

Natürlich wurden auch die Hymnen aus vergangenen Tagen nicht vergessen - noch im regulären Set gab es "Your master is calling" auf die Ohren. Da waren die meisten vor Begeisterung schon weggetreten, tanzten, sangen mit oder jubelten nur. Mehr, mehr, mehr - die Devise des Abends und so wurden PINK TURNS BLUE nach "Now´s the time" noch zu zwei Zugaben gefordert. Diese waren dann ganz auf die Vergangenheit ausgerichtet, besonders eindrucksvoll das inbrünstige "Walking on both sides", das unterkühlte "I coldly stare out", das todtraurige "If two worlds kiss" und - ganz klar - der absolut letzte Titel des Abends, das kraftvolle "Missing you". Ein Konzert mit der perfekten Mischung aus Melancholie, Kraft, Altem und Neuen, Verhaltenem Trauern und expressivem Ausleben war zu Ende und zurück blieb man betäubt und richtig glücklich.

Angenehm zu erwähnen: Im Anschluss waren beide Bands durchaus gesprächsbereit (auch wenn der Chronist und Gegenüber einige Biere geladen hatte), Mic Jogwer schrieb Autogramme, suchte sogar selbst nach Stiften. Die Atmosphäre war entspannt, angenehm und schön. Dass einem erst zu Hause einfiel, was PINK TURNS BLUE alles nicht gespielt haben (z.B. Catholic Sunday oder Pressurized) spricht rundeweg für die Qualität der Darbietung. Mit etwas Glück wird man beide Bands auf dem WGT noch einmal sehen können - bei den GOLDEN APES steht es bereits fest. Es lohnt sich!


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD
Fotos von: Franz Janusiewicz / www.klangdynamik.de

An dieser Stelle geht noch ein Dank an Nestor (GOLDEN APES) und das Management von PINK TURNS BLUE für die Überreichung und -sendung der Playlists.

GOLDEN APES:
01 - Phantoms
02 - My Creation
03 - Valentine Decay
04 - Nova
05 - A Letter
06 - Accusation
07 - Ewigheim
08 - At least
09 - Remedy
10 - Snow

PINK TURNS BLUE:
01 - Feel My Soul
02 - Underground
03 - Lost Son
04 - Good Times
05 - Michelle
06 - Moon
07 - Animal Life
08 - True Love
09 - Dynamite
10 - Crusade
11 - Can Love Survive
12 - Your Master Is Calling
13 - Now's The Time

1. Zugabe
14 - Touch The Skies
15 - I Coldly Stare Out
16 - Walking On Both Sides

2. Zugabe
17 - If Two Worlds Kiss
18 - Missing You


www.pinkturnsblue.de

www.goldenapes.de