interview:

MARTIN KESICI
"Die Geister die ich rief ..."

Martin KesiciHätte man mir vor Wochen jemand vorgeschlagen, einen Teilnehmer einer TV-Castingshow als Interviewpartner für die GothicWorld zu haben, hätte ich ihn warscheinlich ausgelacht, denn das Retortenprogramm, daß sich dort abspielt ist nun wirklich unser Ding. Doch nun kam alles anders, mein heutiger Gesprächspartner war tatsächlich Teilnehmer und gar Gewinner der SAT1-Starsearch-Staffel 2003 Martin Kesici, der nun sein zweites Album "So what ..." am Start hat.

GW: Hallo Martin!

Martin: "Das kann ich mir gut vorstellen, denn mein Ding ist das auch nicht mehr so wirklich und ist es eigentlich auch nie gewesen. Deßhalb bin ich ja froh, gerade mit Magazinen wie Eurem Interviews zu machen, als in irgendwelchen Fernsehstudios rumgereicht zu werden, glaub mir."

GW: Wie du dir sicherlich denken kannst, haben wir als Grufties, das damalige Fernsehspektakel nur so am Rande verfolgt, aber haben wohl realisiert, daß da einer gewonnen hat, der sich vom Großteil der angetretenen Möchtegern-Popsternchen unterscheidet und das nicht nur durch etwas rockigere Klänge. Zum ersten Mal konnte sich jemand durchsetzen, dem man anmerkte, daß er im Gegensatz zu manch seiner Konkurenten seine künstlerischen Ziele bereits lange Zeit zuvor ernsthaft und abseits von Starallüren verfolgte und damit Jury und Publikum überzeugen konnte. Für dich hat sich dadurch dein Leben sicherlich erstmal total auf den Kopf gestellt, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen, tausend Möglichkeiten, von denen man vorher nur geträumt hat auf der anderen Seite der Erwartungsdruck, der plötzlich auf einem lastet. Aber was mich zunächst interessieren würde, bist du selbst damals mit irgendwelchen Erwartungshaltungen zum Wettbewerb angetreten?

Martin KesiciMartin: "Eigentlich überhaupt nicht. Ich habe vorher schon mit vielen Bands auf der Bühne gestanden, haben an Bandwettbewerben teilgenommen und so. Ins Fernsehen hast du als Rockmusiker kaum eine Chance, da war Starsearch so ne Möglichkeit, die ich halt mal ausprobiert habe. Bei den andern Sendern war ja die Stilrichtung klar vorgegeben, bei SAT1 kam ich mit guten Songs rein und konnte es schon beim ersten Vorentscheid, den ich gewonnen habe kaum glauben. Ich war überhaupt der einzige Langhaarige da und fühlte mich irgendwie auch deplaziert da. Aber dann ging es Schlag auf Schlag und der Rest ist bekannt."

GW: Was damals wirklich neu war, war ja die Tatsache, daß du durch dein selbstbewusstes Auftreten und den rockigeren Tönen frischen Wind ist den bisherigen Schlagercasting-Wust gebracht hast. Das hat sicherlich die Aufmerksamkeit auf deine Person gelenkt, aber trotzdem gehört ja schon einiges dazu, durch gesangliches Können und sicheres Auftreten wirklich zu überzeugen und dann vor allem den Erwartungen auch wirklich gerecht zu werden und nicht als Eintagsfliege wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Martin: "Ich war eigentlich wie immer. Auf der Bühne hab ich immer 100 Prozent gegeben, und da ist es wohl auch ganz gut gelaufen. Aber was dann hinterher abgeht ist eben ne ganz andere Geschichte."


GW: Nach der ersten Hitsingle "Angel Of Berlin" kam dann das erste Album, das natürlich die ganzen Coverversionen enthielt, die dich zum Gewinner machten, aber ansonsten wohl aufgrund des ganzen Rummels und des eiligen Erscheinungsdrucks, dein Potential nicht so wirklich rüberbringen konnte ... also ich hätte es mir nicht gekauft, höchstens als Muttertagsgeschenk oder so ...

Martin: "Das Album wurde ja in nur zwei Wochen eingespielt, es müsste ja raus, solange die Kohle noch heiß ist. Und ja klar, da wurden erst mal die potentiellen Märkte abgecheckt, aber ich habe es immer strikt abgelehnt mich für alles und jeden zu verkaufen. Doch erstmal biste drin in der Maschinerie und musst selbst sehen, wie du damit klar kommst. Auf der einen Seite hast du plötzlich Möglichkeiten und Kontakte, auf der anderen Seite versucht man an dir rumzubiegen. Durch das erste Album haben viele einen unvollständigen Eindruck von mir bekommen."


GW: Da waren ja schließlich auch die ganzen lieben Omis, die sich in deine blaue Augen verliebt hatten und für dich gevotet haben, die durftest du sie ja wohl nicht enttäuschen, oder?

Martin: "Ja, aber ich will und kann es nicht jedem recht machen und mein Herz schlägt für den Rock´n´Roll."


Martin KesiciGW: Nun steht dein zweites Album "So What..." in den Startlöchern und schon die Zusammenarbeit mit Tarja Turunen, Sängerin einer der angesagtesten Gothicmetalbands zeigt, daß da mehr ist als Mainstream-Schmuseballaden und Interpretationen von allseitsbekannten Rockklassikern. Nun weiß ich nicht, wie deine Verträge aussehen und in wie weit du musikalische Handlungsfreiheit hast, deine eigenen Songideen zu produzieren, deine eigene Visionen zu verwirklichen, zumal die meisten Post-Talentshow-Veröffentlichungen von irgendwelchen Produzententeams vorgefertigt sind und die jeweiligen Interpreten eigentlich beliebig austauschbar scheinen.

Martin: "Ja, so läuft das auch, wenn du dich darauf einläßt. Ich hab es allerdings vorgezogen, mich aus dem Medienrummel möglicht herauszuhalten und eine vernünftige Basis zum Weitermachen zu erarbeiten, um das machen zu können, was ich wollte. Von dem was ich nicht machen wollte, hab ich genug gesehen."


GW: Also dahin zurück, wo du vor Starsearch schon warst?

Martin: "Naja, nicht ganz. Denn ohne Starsearch hätte ich den Plattendeal so nicht."

GW: Du arbeitest mit dem Produzenten Peter Hoff zusammen. Wie funktioniert das mit dem Songwriting bei Euch?

Martin: "Ich denke wir sind ein gutes Team. Es ist ein angenehmes Arbeiten mit Peter zusammen in Stuttgart. Manchmal kommen die Fantas vorbei und es ist schon ein tolles Gefühl dabeizusein."

GW: Wie ist das mit den Musikern mit denen du im Studio und auch live zusammenarbeitest, ist das sowas wie eine feste Band im Hintergrund oder unterschiedlich? Oder sind Leute aus deiner früheren Band dabei?

Martin: "Leider keiner meiner alten Band, das hat so leider nicht funktioniert. Aber wir wollen auf jeden Fall eine EP zusammen machen, nur ob es dieses Jahr noch klappt ist noch fraglich. Die Drums wurden zum Beispiel vom DIE HAPPY-Drummer eingespielt."

GW: Welche Instrumente hast du selbst auf Album eingespielt?

Martin: (lacht) "Das Didgeridoo-Intro. Auf den Roughtracks die Gitarren, aber die waren nicht sauber genug und wurden später alle ersetzt. Du weißt ja Studiozeit kostet viel Geld und bei mir hätte das zu lange gedauert."

GW: Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit mit Tarja von NIGHTWISH?

Martin: "Das war ganz einfach. Ich hab ihr eine E-Mail geschrieben und am nächsten Tag war ihre Zusage da, hätte sie bock drauf. Es war von Anfang an klar, als ich den Song geschrieben habe, daß das eine Frau singen sollte. Tarja hat eine große Stimme und es war eine wunderbare Zusammenarbeit. Es ging mir dabei nicht um ein Zugpferd oder sowas. NIGHTWISH ist ne klasse Band und Tarja´s Stimme ist wie ein Musikinstrument und macht den Song perfekt."

Martin KesiciGW: Es scheint als wärst du eine Art Vorreiter gewesen für eine neue Richtung in die diese TV-Talentshows sich zu bewegen scheinen. Das beweist ja diese neue PRO7-Kreation von NU PAGADI, die sich ja sehr um die etwas härtere und dünstere Hörergunst bemüht. Da scheint man ja auch auf den rockigen Geschmack gekommen zu sein, aber ob das so gelungen ist? Was hälst du davon?

Martin: "Ach hör auf, das funktioniert nie und nimmer. Die beiden Mädels kommen doch vom Rythm`n`Blues und sollen jetzt einen auf Hardrock machen, wie soll das gehen. Aber wie gesagt man versucht die Märkte abzuchecken, ich bevorzuge da eben eher die ehrliche Musik."

GW: Was für Musik hörst du eigentlich privat?

Martin: "Naja, aufgewachsen bin ich mit den alten Rock-Klassiker der Achziger, meine erste Band machte richtig Deathmetal. Besonders meinen Gesangsstil haben die Neuziger mit ihrem Grunge geprägt. Ich mag auch klassische Musik sehr."

GW: Handmade also, auf elektronische Konserven stehst du weniger?

Martin: "Nun, mit diesem unterkühlten, seichten Synthiepop kann ich nicht viel anfangen, dann schon eher PRODIGY oder was in der Richtung. Natürlich verwenden wir auch jede Menge Elektronik, nicht nur im Studio. Wie willst du sonst die Chöre auf der Bühne rüberbringen. Nur zum Beispiel ein Drumcomputer auf der Bühne muß nicht sein, da arbeite ich lieber mit Menschen zusammen."

Martin KesiciGW: Wie gehst du nun damit um, eine öffentliche Person geworden zu sein und damit auch unvermeidlicherweise mit einigen damit verbundenen Problemen rumschlagen musst?

Martin: "Wie ich schon sagte, war irgendwann mal Rückzug angesagt. Es kam tatsächlich soweit, daß ich umziehen müsste, denn es gab ja doch ein paar die wussten wo ich wohnte. Irgendwann wurden anscheinend Klassenfahrten zu meinem Wohnhaus veranstaltet."

GW: Ist es nun nicht sogar ein Nachteil mit Alexanders und Kübelböcks über einen Kamm gescheert zu werden?

Martin: "Vorallem jetzt im Nachinein, wenn du von Radiosendern die Absage kriegst mit der Begründung, daß sie keine Casting-Acts senden. Das macht mich nur noch sturer und kurbelt mein Rebelldenken an."

GW: Was würdest du anderen raten, die an solchen Castings teilnehmen möchten?

Martin: "Dem Teeny von nebenan kann ich wohl kaum was raten, aber wenn du jetzt Rockmusiker meinst, die sollten nach Bandwettbewerben Ausschau halten, davon gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel der Jägermeister Contest, da haben wir selbst schon mitgemacht."

GW: Hast du noch Kontakt zu deinen Mitbewerbern von damals, vielleicht zu deinem damals härtesten Konkurenten Thomas Wohlfahrt?

Martin: "Ja, gelegentlich. Thomas ist auch raus aus den Verträgen, denn im Mainstream ist es ja leider fast aussichtslos gegen die internationale Konkurenz."

Martin KesiciGW: Wo glaubst du würdest du heute stehen, wenn du nicht auf die wahnsinnige Idee gekommen wärst, bei dem Popstar-Theater mitzumachen?

Martin: "Ich denke ich hätte einen anderen Weg gefunden, heute hier mit dir dieses Interview zu machen" (lacht!)

GW: Ende Februar geht es wieder auf Clubtour. Was erwartet uns?

Martin: "Kommt doch einfach vorbei und seht euch an wie Martin Kesici live tickt."

GW: Na dann sieht man sich vielleicht, mal sehen Karlsruhe oder Freiburg liegt in meiner Nähe. Ansonsten viel Erfolg mit "So What ..." und laß dich nicht unterkriegen!

Martin: "Na bis dann und danke für den Support!"




Sir Ritchie für GothicWorld


Review: "What´s Up ..."

www.martinkesici.de